Bruno Bär´s Reise und Freizeittips

Die nächste Burg ist schon in Sichtweite

Ordensburg Liebstedt.

Durch Zufall wurde ich auf die Ordensburg Liebstedt aufmerksam. Diese befindet sich nicht weit von Weimar entfernt und befindet sich auf der damals bedeutenden Handels- / Kupferstraße von Hamburg nach Venedig. Wer hier lang wollte, musste unweigerlich auch durch die Burg, weswegen es auch eine Durchgangsburg ist.




Die Burg wurde ursprünglich im 10. Jahrhundert erbaut. Sie wurde als Wasserburg mit Wassergraben auf einer der bedeutendsten mittelalterlichen Fernhandelsstraßen, der Kupferstraße, errichtet. Die Ursprünge der Kupferstraße reichen bis in die Frühgeschichte zurück. Die Straße verband bis 1846 Jütland im Norden mit Venedig im Süden. Wer über diese Straße reiste, musste zwangsläufig durch diese Burg.

956 wurde "Libenstete" (Liebstedt) und "Azmenstat" (Oßmannstedt) von Otto I. an das Kloster Quedlinburg verschenkt. 1300 kam die Burg an das Kloster Pforte und 1304 an das Kloster Hersfeld. 1314 erwarben die Landgrafen von Thüringen die Burg und wurde Lehen des Grafen Heinrich von Beichlingen. 1331 kam die Burg an den Deutschen Ritterorden und errichtete eine Komturei, einen Verwaltungsbezirk, der Liebstedt, Goldbach und Wohlsborn umfasste.

Architektur[Bearbeiten]

Einzigartig ist das Verteidigungssystem der Burg, ein 3-fach-Graben-Wallsystem, eine Kombination aus Wasser- und Trockengräben und Wallanlagen. Die Wallanlagen umschlossen sogar den ganzen Ort. Der Wassergraben, gefüllt mit Schichtwasser umschloss die Kernburg, und bildete so eine künstliche Insel, die nur über zwei Zugbrücken mit Tortürmen erreichbar war. Der Wassergraben ist heute zum Teil wieder rekonstruiert und befüllt.

Eine Besonderheit stellt die Backsteinbauweise dar. Bei einem tiefgreifenden Umbau im 15. Jahrhundert wurde die in diesen Breiten bis dato unbekannte Bauweise angewandt und verbreitete sich wohl von hier ausgehend, gefördert durch den Deutschen Ritterorden, in ganz Thüringen (Backsteingotik).

1809 wurde der Deutsche Orden auf Weisung Napoleons enteignet. Nach dem Wiener Kongress erhielt das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach die Burg.

Der Komplex umfasst heute zirka vier Hektar. Die Vorburg, die als Wirtschaftshof (Remise für Kutschen und Wagen, Stallungen, Wohnungen für das Gesinde) diente, zeigt auch in der Scheune eine dort eher unübliche Dachkonstruktion ohne vertikale Stützbalken.

Herren von Liebstedt[Bearbeiten]

Die gleichnamige ritterliche Familie "von Liebstedt", eines Stammes mit den Rittern "von Oßmannstedt" und den "von Denstedt", ist urkundlich von 1211 bis 1348 nachgewiesen. 1221 wird der Ritter Heinrich von Liebstedt in einer Urkunde des Klosters Oberweimar als Vogt, 1265 Heinrich von Liebstedt als Laienbruder des Klosters Pforta und 1285 ein Ludwig von Liebstedt als Zeuge erwähnt. Die drei Linien führten alle einen Hahn im Wappen.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]


Der Grundriss, dargestellt am Zugang zur Burg


Das gesamte Burggelände wird seit 1998 durch die Ordensburg-Gilde bewirtschaftet. Durch jährliche Veranstaltungen, wie das Mittelalterspektakel zu Ostern, das Gautschfest im August, das Kaisermanöver im September, wird die Burg wieder zum Leben erweckt und ist zu einem kulturellen Zentrum Thüringens geworden und kann auch für private Zwecke genutzt werden. Die Burg wurde Anfang 2011 durch die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen an das renommierte Meißener Weingut Schloss Proschwitz verkauft. In der Vorburg sollte ein Weingut errichtet werden. [1] Die Gemeinde Liebstedt bestand jedoch auf ihrem Vorkaufsrecht[2][3] Der sich ergebende Rechtsstreit dauerte bis 2014 an. Ende 2011 kippte die Kommunalaufsicht Weimarer Land das Vorkaufsrecht der Gemeinde. Eine Klage der Gemeinde gegen diese Entscheidung wies das Verwaltungsgericht Weimar im September 2012 ab, da die klagende Gemeinde [...] selbst kein Konzept für die Burg aus dem 14. Jahrhundert vorgelegt [habe] [und] das Gericht [...] auch keine Anzeichen dafür [sehe], dass die dauerhafte Erhaltung des Denkmals durch den Verkauf an den Winzer gefährdet sei. [4] Die Ablehnung des Vorkaufsrechtes wurde im Juni 2014 durch eine Entscheidung des Thüringer Oberverwaltungsgerichtes rechtskräftig [5]. Im November 2014 erklärte Prinz zur Lippe jedoch, vom Kauf Abstand zu nehmen, da man sich nicht willkommen fühle, sodass die Zukunft der Burg ungewiss bleibt [6].

Erstmalig erwähnt wurde die Siedlung im Jahre 876 als „Liuprehtestat“ in den Annalen des Klosters Fulda. Diese und weiter folgende Nennungen, wie z.B. durch Otto I. im Jahre 956 belegen die Zeitbedeutung des Ortes, dessen Name vermutlich auf einen Herrn „Liubo“ aus dem Geschlecht der Franken hindeutet, welcher hier ortsansässig gewesen sein muß.

 

Im 12.-13. Jahrhundert treten die einflussreichen Herren „von Liebstedt“ auf die Bühne der Geschichte und nehmen Einfluss auf die Entwicklung nicht nur des Umlandes, zu dem unmittelbar die Ortschaft und die Siedlungen Wohlsborn und Goldbach gehörten. Nach dem Aussterben der Ritterfamilie wird das landgräfliche Lehen am 1. Oktober 1331 an den Deutschen Ritterorden übertragen. Er errichtet hier eine Komturei (Verwaltungsbezirk) und prägt fast 480 Jahre lang die weitere Geschichte der Burg. Erst im Jahr 1809 erklärt Napoleon den Orden in den Rheinbundstaaten für aufgelöst und den Besitz an die Fürsten des Rheinbundes für abgetreten. Das Königshaus Sachsen bildete kurz darauf aus den Gütern ein Kammergut. Der Wiener Kongress übertrug 1815, in Verbindung mit der Erhebung des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach zum Großherzog, die Besitzungen an diesen.

Mit der Gründung des Landes Thüringen im Jahre 1920 wandelte man das Kammergut zu einem Staatsgut um. Kurz nach dem Krieg, 1946, wird es zum Stiftsgut der Universität Leipzig. Von 1952 bis 1990 waren Burg und Besitzungen Volkseigenes Gut. Die historischen Gebäude wurden unter anderem als Wohnungen, Ställe und Lagerhallen genutzt.

GESCHICHTE SEIT 1990

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Bereits in den 80er Jahren hatte sich eine Arbeitsgruppe beim Kulturbund gegründet, die sich um den Erhalt der in der Bausubstanz stark vernachlässigten Burg Gedanken machte. Unmittelbar nach 1990 ergriff die Gemeinde Liebstedt die Initiative und begann mit der Dachsanierung des Hauptgebäudes und des Torturmes. Zu dieser Zeit war die Burg noch fälschlicherweise der Treuhandanstalt zugeordnet, die vergeblich den Verkauf eines „Wohnhauses Berggasse 95“ versuchte.

1992 wurde der „Förderverein Ordenskomturei“ gegründet, der Verein begann sofort mit Beräumungsarbeiten und der weitgehenden Abholzung der Wallanlagen. Mit Hilfe von Fördermitteln der Landesämter für Archäologie und Denkmalpflege konnten die Rekonstruktion des Wassergrabens begonnen und weitere Dachsanierungen am Verwalterhaus und am großen Stall der Vorburg durchgeführt werden.

1994 wurde die ehemalige Ordensburg wieder in das Eigentum des Freistaates Thüringen überführt und fortan durch die OFD des Thüringer Finanzministeriums betreut. In diese Zeit fielen weitere Sanierungen – Remise, Grabenbrücke und Hühnerstall - darüber hinaus wurde die Rekonstruktion des Graben-Wallsystems abgeschlossen und der Vorburghof umgestaltet. Parallel zu diesen Aktivitäten zum Erhalt der Burg begann der Förderverein mit der Durchführung von Burgfesten, um die Burg für Besucher bekannt zu machen. Ein weiteres einschneidendes Jahr für die Burg war 1998 mit der Neugründung der Ordensburg-Gilde.

  Die Gilde setzte verstärkt auf Sanierung im Inneren – der Kapitelsaal und erste Ausstellungsräume im Torturm entstanden. Parallel wurde darüber hinaus von den Burgfesten auf historische Märkte umgestellt, dafür wurden auch erste Räume für gastronomische Zwecke hergerichtet. Unterstützt wurden diese Bestrebungen durch die LEG Thüringen, der die Burg 1998 vom Freistaat übertragen wurde. Mit erheblicher finanzieller Beteiligung der LEG und weiterer Fördermittel konnte so die Sanierung des Außengeländes einschließlich Umfassungsmauer und Vorburghof abgeschlossen werden. Mit der Teilsanierung der großen Scheune der Kernburg und des Burghofes war der Weg frei für vielfältige Veranstaltungen, die heute den Charakter der Burg prägen.

Seit 2003 hat die LEG ihre finanzielle Unterstützung weitgehend eingestellt und versucht, die Burg zu verkaufen. Deshalb bemüht sich die Ordensburg - Gilde nunmehr in kleinen Schritten um den weiteren Ausbau. Es ist gelungen, einige überregionale Veranstaltungen wie das Gautschfest der Druckerinnung und die "Fechtschul der Klopffecher" und das Kaisermanöver nach Liebstedt zu holen. Sie ergänzen unsere eigenen jährlich widerkehrenden Veranstaltungen wie das "Nostalgische Hoffest zu Ostern", das "Back- & Wurschtfest" und den "Nostalgischen Adventsmarkt".

Ständig steigende Besucherzahlen belegen die erfolgreiche Arbeit zur Erhaltung und Gestaltung der Burg zu einem regionalen und kulturellen Zentrum. Die Mitgliedschaft im Deutschen Burgenverein (DBV), in der Burgenstraße Thüringen, dem Südtiroler Burgeninstitut und im Fremdenverkehrsverband Weimarer Land tragen zur Entwicklung und Bekanntmachung der einzigen noch komplett erhaltenen Kreuzritterburg des Deutschen Ordens in Thüringen bei.

 

EINMALIG IN EUROPA

Die Burg in Liebstedt stellt nicht nur geschichtlich sondern auch baulich in vielerlei Hinsicht ein Kleinod dar. So wurde die ehemalige Ordensburg des Deutschen Ritterordens auf einer im Mittelalter bedeutenden Fernhandels- und Pilgerstraße, der Kupferstraße, errichtet. Deren Ursprünge reichen wiederum weit in die Frühgeschichte zurück.

Bis 1846 verband sie Venedig im Süden mit Hamburg im Norden. Wer auf dieser Straße reiste, den führte sein Weg unmittelbar durch die Burg. Die Ordensburg Liebstedt ist damit die bis heute einzige erhalten gebliebene Durchgangsburg in Europa. Auch das erhalten gebliebene bzw. rekonstruierte 3-fach-Graben-Wallsystem der Niederungsburg, eine Kombination von Wasser- und Trockengräben unterschiedlicher Typen, gibt es in Deutschland nur noch hier. Dieses raffinierte Verteidigungssystem aus Gräben und Aufschüttungen umschloss auch den historischen Ort Liebstedt.

Der innere Graben, welcher die Kernburg umgibt, füllte sich durch natürliches Schichtwasser und machte sie so zur wehrhaften künstlichen Insel, die nur über zwei Zugbrücken mit Tortürmen erreichbar war. Dieser Wassergraben wurde in den neunziger Jahren teilweise rekonstruiert und wieder befüllt und gibt so einen Einblick in die ursprüngliche Anmutung der Burg.

Auch stilistisch stellt die Ordensburg eine Besonderheit dar. Bei einem tiefgreifenden Umbau Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die bis dato in diesen Breiten nahezu unbekannte Backsteinbauweise angewandt. Natürlich hinterließ die bewegte Geschichte der Burg ihre Spuren an den Bauwerken und Umbauten. So finden sich auch die verschiedenen Baustile und Prägungen von der Romanik bis zur Neuzeit an und in den Gebäuden der Burg, was ihr einen besonderen und unverwechselbaren Charme verleiht. Heute besteht die Ordensburg noch aus einer ca. 3,5 ha großen komplexen Anlage.

Die Vorburg, die als Wirtschaftshof diente, beherbergte neben der Remise für Wagen und Kutschen auch Stallungen und Wohnungen für das Gesinde. Eine Besonderheit stellt der große Stall dar, dessen hohe Dachkonstruktion eine stützenfreie Fläche von weit mehr als 500 m² überspannt. Die Kernburg mit einem unregelmäßigen fünfeckigen Hof wird durch den nördlichen Torturm, das Verwalterhaus, das sogenannte Hühnerhaus, die große Scheune und das Ritterhaus gebildet.

Die Ordensburg-Gilde ist zudem dabei, auf der Ostseite den historischen Wehrgang wieder aufzubauen, dessen nördlichen Abschluss eine Rekonstruktion des Burgfriedes als Schalenturm bilden soll.

Geschichte

- Ordensburg Liebstedt – die letzte / einzig noch komplett erhaltene Kreuzritterburg des Deutschen
   Ritterordens in Mitteleuropa.
- Ordensburg Liebstedt – 500 Jahre Sitz (Komturei) des Deutschen Ordens
- Ordensburg Liebstedt – das einzige unter Schutz stehende (1956) Flächendenkmal des Deutschen
   Ordens 
in Thüringen mit einem Arial von ca. 4 ha.
- Ordensburg Liebstedt - die letzte und größte Durchgangsburg in Europa, die ihre hierfür typischen
   Merkmale bis in unsere Zeit erhalten hat.
- Ordensburg Liebstedt – errichtet auf einer Fernhandels- und Pilgerstraße (Meri-dianstraße, Nord / 
  Südachse) von Hamburg nach Venedig. Die Strasse besitzt eine Nutzung vom Neolithikum bis zum 
  19.Jhd.

- Ordensburg Liebstedt – einzig erhaltene Niederungsburg in Deutschland, die noch in Teilen komplett,
  erhaltenes Dreifach–Graben–Wallsystem, zur Sicherung der Vor- und Kernburg besitzt, das die 
  Ortslage 
Liebstedt mit einbezog.
- Ordensburg Liebstedt – ein früher Einsatzort der norddeutschen Backsteingotik in Mauerwerk- und 
  Gewölben in Thüringen.
- Ordensburg Liebstedt – gab Schutz und Herberge den Händlern, Handwerkern und Pilgern sowie
  Pflege 
den Kranken im Hospital.
- Ordensburg Liebstedt – die Gebäude der Kernburg erfuhren zwar Veränderungen durch die 
  Jahrhunderte  
ihres Bestehens hindurch, die Wahrnehmung ihrer Substanz wird jedoch bestimmt durch 
  die Bauphasen 
der Spätgotik und Renaissance.

  


Öffnungszeiten: http://www.ordensburg-liebstedt.de/

Eintritt: ja

Behindertengerecht: nein